Estland

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Nun liegt das dritte Baltische Land hinter uns. Wir haben die Esten sehr relaxed erlebt. Alles läuft sehr gelassen und unaufgeregt ab. Wie auch in den anderen baltischen Ländern schon erlebt lieben sie die Natur und sind recht weltoffen. Gerade bei den Restaurants ist uns das aufgefallen. Wir haben sehr gut bei einem Italiener oder Inder gegessen. Mit den Älteren zu kommunizieren war recht schwierig, die Jungen können aber fast alle Englisch. Wenn es nicht weiter geht, wird einfach der Sohn oder der Enkel geholt, der dann weiterhilft. An manchen Stellen sind noch die Spuren der früheren Sowjetunion sichtbar, z.B. verbreiterte sich eine Strasse mitten im Wald zu einem riesigen Flugfeld oder am Stand fanden wir noch das Relikt eines Wachturms.

Besonders die Wochenenden erlebten wir als anstrengend und laut: überall trifft man sich zum feiern, party machen, Musik hören, trinken, es war kaum möglich dem Treiben zu entkommen: Wir versuchten an den Wochenenden einen abgelegenen grossen Camping zu finden – aber selbst da wurde z.B. um 0:00 ein riesen Feuerwerk gestartet, weil wahrscheinlich irgend jemand seinen Geburtstag feierte.

Im Gegensatz dazu genossen wir genial schöne Stellplätze, eingerichtet durch die stattliche Forstwirtschaft (RMK). Die waren oft sehr abgelegen an tollen einsamen Stränden oder Waldgebieten. Viel Platz, Ruhe, meist ein Grillhäuschen, an dem das Feuerholz schon bereit lag und alles kostenlos. Die einzige Herausforderung war, diese zu erreichen, auf Schotterstrassen, Waldwegen, durch enge Baumbestände. Da hat unser Willi schon ein paar Kratzer abbekommen.

Ein besonderes Highlight war der Besuch der Insel Saaremaa. Hier erlebten wir eine gute Mischung aus sightseeing und Entspannung an abgelegenen Stellplätzen. In der alten Marienkirche trifft sich heute noch eine Evangelisch-methodistische Kirchen (in diesem Verband war Renates Vater früher einmal Pastor gewesen).

Die Rückfahrt von der Insel gestaltete sich etwas schwierig. Als wir online ein Ticket buchen wollten, war dies komischerweise nicht möglich – die ginge in den nächsten Tagen nur vor Ort. Als wir der Fährstation näher kamen, standen wir stundenlang in einem Stau. Erst später erfuhren wir, dass am Tag zuvor, eine der beiden Fähren einen Unfall hatte und nur begrenzt einsatzfähig ist. HIER -> der Link zu einem Medienbericht, in dem auch geschildert wurde, dass das Fahrzeug der Präsidentin beschädigt wurde. Erst gegen 0:00 Uhr erreichten wir einen Stellplatz direkt an einem Friedhof und sanken völlig geschafft in den Schlaf.

Höhepunkt war der Besuch Tallins, der Hauptstadt Estlands. Nach dem Stress mit der Fähre hatten wir auf der Anreise noch zwei Werkstattbesuche, ein ausführlichen Einkauf, volltanken und Stellplatzsuche hinter uns gebracht. Ziemlich geschafft kamen wir an und gönnten uns einen Abendspaziergang durch diese tolle Stadt mit einem Feierabendbier am Rathausplatz.

Am nächsten Tag schlenderten wir fast den ganzen Tag durch die Gassen der Altstadt. Einer der Höhepunkte war eine Kaffeepause in Tallins ältesten Cafe, einem tollen Abendessen beim Inder, der Besuch eines alten Gefägnisses und der ehemaligen Stadthalle (die letzten beiden ebenso Relikte aus Sowjetzeiten). Leider fand an diesem Abend ein Rockkonzert direkt hinter unserem Stellplatz statt. Selbst das Bett bebte vom Wummern des Basses, sodass vor 0:30 an schlafen nicht zu denken. War. Am nächsten Morgen ging dann schon um 7:00 die Fähre nach Helsiki, zu der wir mind. 1 Stunde früher einchecken mussten. Reisen kann auch ganz schön anstrengend sein.

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