Georgien Teil 2 Imeretien

Titel

Diese Woche war so vollgestopft mit neuen Erlebnissen, kaum zu glauben, was man alles in einer Woche erleben kann:

Georgien, ein christlich geprägtes Land, kann mit Kathedralen aus fast jedem Jahrhundert aufwarten. Die Poti Soboro Kathedrale ist eine georgisch-orthodoxe Kirche und wurde erst 1907 fertig gestellt. Sie ist eine Nachahmung der Hagia Sophia in Istanbul. Wir waren die einzigen Besucher und genossen die Stille in dem grossen Bau.

Danach besuchten wir den örtlichen Markt und staunten nicht schlecht über das dortige Angebot. Es geht dort etwas rustikaler zu und die Tiere, die man erwird sind wirklich “frisch”. Auch auf der Fahrt begegneten uns immer wieder freilaufende Schweine, Enten und Rinder. Wie die alle wieder zu ihrem rechtmässigen Besitzer zurück finden ist uns noch nicht ganz klar. So wurden wir z.B. an einem herrlichen Stellplatz, ganz alleine an einem Fluss, immer wieder von weidenden Rindern besucht.

Ostern wird in der orthodoxen Kirche erst eine Woche später als bei uns zuhause gefeiert. Das wurde uns wieder bewusst, als in der Kirche vor der wir Nachts wegen starkem Wind Zuflucht gesucht hatten, um 24:00 die Glocken geleutet wurden und einige Gläubige den angegliederten Friedhof besuchten. Am Abend wurden wir dann auf einem abgelegenen Grundstück an einem anderen Fluss zur abendlichen “Supra” eingeladen. Wir versuchten uns durch Gesten und ein wenig Englisch zu verständigen. Der Tischleiter (ist immer für einen Trinkspruch zuständig) liess uns gemeinsam auf die Auferstehung Jesu anstossen. Da erhoben wir doch gerne das Glas (übrigens mit 15 Jahre altem Cognac, den er selbst gekeltert hatte).

Am kommenden Tag ging es zu den heissen Schwefelquellen bei Senaki. Hier sprudelt ca. 80°C heisses Schwefelwasser aus dem Boden und von dort in den nahegelegenen Fluss. Dort muss man sich selbst ein Badebecken anlegen und durch die Menge an zufliessendem heissen Quellwasser und kaltem Flusswasser für die richtige Badetemperatur sorgen. Auf dem nahegelegenen Parkplatz auf Wiesengrund konnten wir sogar mit Polizeischutz (sie blieben fast die ganze Nacht) uns in Ruhe erholen.

Ganz andere Gewässer besuchten wir am folgenden Tag in der Martvili Schlucht. Die adelige Familie Dadiani pflegte sich früher hier im Sommer zu einem erfrischenden Bad zurück zu ziehen. Heute dürfen auch nicht blaublütige Besucher – natürlich gegen ein stattliches Entgelt – den ca. 30-minütigen idyllischen Spazierweg durch die Schlucht mit ihrem türkisblauen Wasser geniessen. Der Schatten tat uns gut, da es heute knapp 30°C warm war.

Danach war mal wieder Wäsche waschen fällig und so steuerten wir einen Campingplatz hinter Kutaissi an. Was uns nicht bewusst war: Kutaissi ist die drittgrösste Stadt (war lange Zeit die Hautstadt von Georgien) und verfügt über eine absolut chaotische Verkehrsführung. Irgendwann mussten wir vor einem Kreisverkehr anhalten, unsere Navisoftware auf handys und ipad ausschalten, selbst einen Weg suchen und “auf Sicht” fahren. Ziemlich geschafft erreichten wir dann den ruhig gelegenen grossen Camping. Hier wurde am kommenden Tag Wäsche gewaschen, Wasser getankt, der Kühlschrank abgetaut, ausführlich die Küche und das Fahrerhaus geputzt – alles, was man so zuhause auch immer mal wieder regeln muss. Die beiden Abende wurden uns mit je einem Geschenk des Gastgebers versüsst: 1,5l Weisswein, eine kleine Karaffe Cha-cha (Traubenschnapps mit gefühlten 60%) und einem Rotwein (alles selbst gekeltert). Dazu spielte bei einem benachbarten Restaurant eine live-Band georgische Musik mit Tanzmusikeinlagen. Perfekte Entspannung nach einem arbeitsreichen Tag.

Nach soviel Hausarbeit wurde es wieder Zeit für etwas Kultur: Das nahegelegene Kloster Gelati wird teilweise als die Sehenswürdigkeit Nummer eins in Georgien gehandelt. Der ganze Klosterkomplex besteht aus architektonischen Meisterstücken, bunter Freskenmalerei und einem wertvollen Mosaik. Teil dieser Anlage ist auch ein Akademiegebäude, das die Universität in Konstantinopel zum Vorbild hatte. Hier wirkten bedeutende Wissenschaftler, Theologen, Philosophen und Rechtsgelehrte, die vorher entweder in ausländischen Klöstern oder an der Mangan-Akademie in Konstantinopel tätig waren. König Dawit der Erbauer begann den Bau im Jahre 1106, zu einer Zeit, in der er das gesamte Land in eine wirtschaftliche, politische, militärische, sowie geistliche Blütezeit führte. Während der Sowjetzeit wurde es 1923 geschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion dient es seit 1988 als Männerkloster. Seit 1994 ist es Teil des UNESCO Welterbes. Wir konnten David dem Erbauer unsere Ehre erweisen. Er hatte sich nach seinem Tod direkt im Eingangsportal unter einem mächtigen Stein begraben lassen, so dass jeder Besucher, wie er sich wünschte, ein Fuss auf sein Herz beim betreten der Anlage setzen konnte.

Letztes Highlight dieses Tages war die Bagrati Kathedrale oberhalb von Kutaissi. Schon im 6. Jhd. stand an der Stelle eine große Basilika. Die jetzige Kathedrale wurde im Jahre 1003 erbaut. Hier stand früher nicht nur eine Kathedrale, sondern der von einer Wehrmauer umgebene Palast der Georgischen Könige und hatte damit große politische, militärische und religiöse Bedeutung. Sie ist im Gegensatz zu vielen alten historischen Gebäuden wie ein lebender Organismus, der sein Aussehen, sowie seine Bedeutung über die Jahrhunderte verändert hat und versuchte, sich an die Zeiten anzupassen. Die UNESCO strich die Bagrati Kathedrale 2017 aus der UNESCO Kulturerbe-Liste. Seht selbst, warum!

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