Türkei Teil 5

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Nach drei Tagen liess der Regen nach und so machten wir uns wieder auf den Weg gen Osten. Auf der D400 ging es der Küste entland – manchmal direkt am Meer, manchmal über einige Bergrücken. Die Auf- und Abfahrten sind für unseren betagten Willi eine echte Herausforderungen. Meist geht es – oft kilometerlang – 5% bis 7% hinauf. Manchmal kriechen wir im kleinen Gang mit 30 km/h, haben aber bisher jeden Berg ohne Probleme geschafft.  In der Nähe von Fethiye fanden wir einen traumhaften Platz am Strand. Immer wieder denken wir: Im Sommer muss das grandios sein (sicher auch sehr voll).

Von hier aus besuchten wir am kommenden Tag einen traditionellen Markt, auf dem wir uns mit Gemüse mal wieder gut eindecken konnten. An hunderten von Marktständen wurden die selbst produzierten Erzeugnisse angeboten. An einzelnen Ständen gab es sehr einfache Mittagessen, die wir einfach ausprobieren mussten. Manchmal müssen wir uns selbst einen kleinen Schubs geben, um solche neuen Erfahrungen zu machen. Meist geht es dann gut.

Zwischendurch waren mal wieder ein paar alte Steine angesagt (Ruinen von Patara), von denen wir aber langsam genug gesehen haben.

Viel spannender erlebten wir unsere Übernachtung in Demre, dem ehemaligen Myra, am Strand. Viele PKWs trauten sich dort zu fahren, wo wir uns mit unserem 4×4 besser nicht hingewagt hatten. Am Abend hatte sich dann ein junger Mann in der Nähe der Wasserlinie festgefahren. Die Flut kam und die Sonne war schon fast untergegangen. Die anderen PKWs zogen ab, da sie ihm nicht helfen konnten. Ich brachte unseren Willi in Stellung und in weniger als 2 Minuten hatten Willi und ich ihn aus dem Schlamassel befreit. Wir konnten uns vor dankbarem Händeschütteln und Angeboten von Zigaretten, Bier oder Geld kaum retten. Wir nahmen nichts davon an und verzogen uns zufrieden und dankbar, helfen gekonnt zu haben, wieder auf unseren Platz.

Dort kamen wir mit einer jungen Lehrerin ins Gespräch, die uns fragte, ob wir am nächsten Morgen, mit ihr gemeinsam eine Stunde in der Privatschule gestalten könnten, in der sie arbeitet. Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Rektor stand also der nächste Termin für uns fest. Es war lustig, mit Willi auf den Schulhof zu fahren und zwei Klassen unsere Art zu reisen zu erklären, das Auto zu zeigen und Fragen zu beantworten. Auch der Schulrektor war die ganze Zeit dabei. Solche Abwechslungen lieben wir. Bischof Nikolaus, den wir am 6. Dezember bei uns feiern, ist in der Stadt Myra verstorben (geboren in Patara). Mit unserer Bergeaktion und der Unterstützung der Lehrerin haben wir uns den Nikolaus zum Vorbild genommen. Sehr dankbar und ermutigt verliessen wir diese Stadt.

Spannend empfinden wir oft die Auswahl unserer nächtlichen Stellplätze. Manchmal treibt mich in der Nacht ein ungutes Gefühl aus dem Schlaf weil wir irgendwo hinter einem verlassenen Hotel im Dunkel am Strand stehen. Bisher ist immer alles sehr gut verlaufen – aber wenn dann mal wieder nachts ein Auto direkt neben uns anhält oder junge Männer sich lautstark zum Musik hören, quatschen und trinken treffen, finde ich mühsam wieder in den Schlaf. An anderen Plätzen ist es genau das Gegenteil: wir werden freundlich begrüsst, eingeladen, wir stehen nicht ganz allein in einer dunklen Ecke, dann wird der Schlafmangel meist ausgeglichen. Bei so mancher Zufahrt sind wir froh um unseren 4×4, auch wenn wir ihn nur sehr selten nutzen – aber gerade das 1% der Wegstrecke entscheidet manchmal darüber, ob wir einen schönen Platz nutzen können oder nicht. Manchmal bewundern wir andere, die dann sogar mit einem alten PKW, den selben Platz erreichen 

Natürlich schockiert auch uns der plötzliche Krieg in der Ukraine. Wie die meisten hätten wir es nie für möglich gehalten, dass in so kurzer Zeit ein solcher Konflikt in einen offenen Angriffskrieg Russlands in Europa mündet. Täglich lesen wir online die Nachrichten, dirkutieren, beten und hoffen, dass möglichst wenige Menschen ihr Leben lassen müssen. Auswirkungen auf unsere Reise hat dies bisher nicht, bis auf die gestiegenen Dieselpreise und die zusätzliche Unsicherheit wie sich der Konflikt eventuell ausweitet.

Beitrags-Ende

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